„Entre parenthèses“ – in Klammern, nebenbei bemerkt. Wer einen solchen Titel über eine Porträteinspielung setzt, übt sich in Understatement. Doch bei Thomas Wally ist die Klammer keine Marginalie: Sie ist eine Denkfigur. Was am Rand zu stehen scheint, rückt ins Zentrum – so wie im Titel der „Caprice (VIII) pa[ren]thétique“, wo die Klammer mitten im Wort sitzt und die Kompositionsweise nicht nur benennt, sondern selbst darstellt.
Drei Werke aus acht Jahren – drei Positionen auf der Achse, die Thomas Wally zwischen „geplant“ und „frei“ aufspannt. Die „Caprice (VIII)“ (2017) entsteht ohne Skizzen, aus dem Moment heraus; immer wieder unterbricht ein Einschub den Fluss – Musik „entre parenthèses“. „Les Îles des nombres V“ (2020) arbeitet mit rigider Intervallordnung – was streng konstruiert ist, erscheint als Klangtupfer in Harfe, Vibraphon und Celesta: mathematische Struktur, auf der Poesie wächst. Das „Concertino“ (2024), komponiert für die Geigerin Ivana Pristašová-Zaugg, schließt seine Ideen in Klammern im Großformat ein: Ein mehrfach angepeiltes Ende auf C umschließt das Werk wie ein wiederkehrendes Satzzeichen.
Thomas Wally zählt zu den profilierten österreichischen Komponisten seiner Generation und ist zugleich als Geiger und als Radio-Moderator tätig.