Die Trios von Alex De Taeye und Lucie Vellère erzeugen einen Dialog zwischen zwei kontrastreichen, doch zutiefst komplementären Stimmen der belgischen Musik des 20. Jahrhunderts. Sie waren Zeitgenossen, wuchsen im gleichen kulturellen Klima auf und verkörpern zwei Gesichter derselben Epoche: Alex de Taeye galt als institutionalisiert und einflussreich, eine anerkannte Figur des akademischen Milieus. Lucie Vellère agierte intimer, beinahe heimlich, für sie war die Kammermusik ein Refugium der Freiheit und Aufrichtigkeit.
Beider Trios, obwohl in den jeweiligen Werkverzeichnissen Ausnahmeerscheinungen, teilen denselben Anspruch auf Klarheit, Ausgewogenheit und Sensibilität. Jedes besitzt eine eigene Ästhetik: die von De Taeye, dem Erben eines üppigen, kontrollierten Postromantizismus; die von Vellère, durchdrungen von innerer Sanftheit und einem gesteigerten Farbsinn. Nebeneinandergestellt bilden diese beiden Werke ein Spiegelporträt eines musikalischen Belgiens zwischen Tradition und Moderne, zwischen öffentlicher Strahlkraft und poetischer Zurückgezogenheit.