Der bedeutende schwedische Dirigent Herbert Blomstedt, der sich als regelmäßiger Gastdirigent eng mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verbunden fühlt, dirigierte Anton Bruckners Sinfonie Nr. 9 in Konzerten am 7. und 8. Mai 2009 in der Philharmonie im Gasteig in München. Das neue Album von BR Klassik bietet sowohl den Live-Mitschnitt dieser beeindruckenden Interpretation durch den renommierten Dirigenten als auch einen Live-Mitschnitt einer Orchesterprobe – Teil der beliebten Sendereihe „Dirigenten bei der Probe“ von BR Klassik, mit der ein Blick in die Orchesterwerkstatt geworfen wird. Anton Bruckner begann sehr bald nach Beendigung der achten Sinfonie, im September 1887, mit seinen ersten Entwürfen für eine weitere Sinfonie. Insgesamt zog sich die Arbeit an der Neunten dann über den langen Zeitraum von 1887 bis 1896 hin und musste aufgrund des sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustandes des Komponisten immer wieder unterbrochen werden. Schließlich verstarb Bruckner während der Arbeit am vierten Satz – das ‚dem lieben Gott‘ gewidmete Meisterwerk blieb unvollendet. Der dreisätzige Torso ist freilich auch ohne ein Finale höchst beeindruckend. Die vollendeten Sätze wurden am 11. Februar 1903 in Wien zum ersten Mal aufgeführt; der Dirigent Ferdinand Löwe hatte aber eine eigene und sehr eigenwillige Bearbeitung geschaffen, die Bruckners Orchestration dem Wagnerschen Klangideal annäherte und sogar in die originale Harmonik eingriff. Lange Zeit wurde Löwes Bearbeitung als Bruckners Original angesehen. Erst, als man wieder die originale Partitur berücksichtigte, war die eigentliche Uraufführung der ersten drei Sätze am 2. April 1932 in München möglich. Die früheste Schallplatteneinspielung dirigierte Siegmund von Hausegger mit den Münchner Philharmonikern im April 1938. Seitdem ist Bruckners Neunte ein wesentlicher Bestandteil des spätromantischen sinfonischen Repertoires: in der Originalfassung, mit einer der zahlreichen Finalsatz-Rekonstruktionen oder mit Bruckners „Te Deum“ als Ersatz des Finales. Einen tieferen Einblick in das großartige Werk erlauben die ebenfalls enhaltenen ausführlichen Probenmitschnitte.