Zwei erstmals veröffentlichte Live-Mitschnitte aus Luzern zeigen Sir András Schiff mit zwei Komponisten, die in seiner Diskografie und seinen Programmen sonst kaum anzutreffen sind: Domenico Scarlatti und György Kurtág trennen Jahrhunderte, doch musikalisch stehen sie sich als Meister der Miniatur nahe. Obwohl sich András Schiff mit Scarlatti bereits während seines Studiums auseinandergesetzt hatte, verschwand dieser Barockmeister anschließend sukzessive aus seinem Repertoire. In Luzern interpretierte Schiff in wohldurchdachter Dramaturgie 13 ausgewählte Sonaten und gestaltet die kurzen Werke – der Live-Situation entsprechend – risikofreudig, mit großer Charakterisierungskunst und ungeheurem Klangsinn. Auch aus György Kurtágs Játékok („Spiele“), einer tagebuchartigen Sammlung von Klavierminiaturen, präsentierte Schiff eine wohldurchdachte Auswahl, bei deren Zusammenstellung er Vorschläge von Kurtág selbst aufgriff. Schiff studierte in Budapest mehrere Jahre bei Kurtág, verehrt ihn als Komponisten, der „zu jedem Ton eine wichtige Meinung hat und genau weiß, wie er ihn hört“, hat bislang aber keine Einspielung seiner Musik vorlegt. Mit dieser Veröffentlichung gratuliert er Kurtág zum 100. Geburtstag am 19. Februar 2026.
In Kooperation mit audite präsentiert Lucerne Festival in der Reihe «Historic Performances» her- ausragende Konzertmitschnitte prägender Festspielkünstler. Ziel der Edition ist es, bislang weit- gehend unveröffentlichte Schätze aus den ersten sechs Jahrzehnten des Festivals zu heben, des- sen Geburtsstunde 1938 mit einem von Arturo Toscanini geleiteten «Concert de Gala» schlug. Die Tondokumente stammen aus den Archiven von SRF Schweizer Radio und Fernsehen, das die Luzerner Konzerte seit Anbeginn regelmäßig überträgt. Sie werden klanglich sorgfältig restauriert und durch Materialien und Fotos aus dem Archiv von Lucerne Festival ergänzt: eine klingende Festspielgeschichte.