Dora Pejačević betrachtete ihre Sinfonie als ihr bedeutendstes Werk. Doch bei der Uraufführung fehlte ein entscheidendes Detail: ihr vollständiger Name. In den Programmheften der ersten Aufführungen in Wien und Dresden war lediglich „D. Pejacsevich“ vermerkt. Warum ließ die Komponistin ihren Vornamen unerwähnt? Und hätte das Publikum anders reagiert, wenn klar gewesen wäre, dass die Sinfonie von einer Frau stammt? Gibt es eine ‚weibliche’ und eine ‚männliche’ Musik? Der Lebensweg der kroatischen Komponistin Dora Pejačević zeigt jedenfalls deutlich, dass sie – wie viele andere Komponistinnen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts – im Musikbetrieb kaum dieselben Chancen wie ihre männlichen Kollegen erhielt. Ihre aristokratische Herkunft und eine Mutter, die selbst komponierte, verschafften ihr jedoch gewisse Freiräume. Schritt für Schritt fand Pejačević Eingang in die Konzertprogramme im gesamten Gebiet der Donaumonarchie, mit Werken, die von Klavier- und Vokalmusik bis zur ‚männlich’ konnotierten Gattung der Sinfonie reichen. Die Rezeption ihrer Musik verdeutlicht, wie schwierig es ist, Musik in Geschlechterkategorien zu fassen: Während manche Kritiker ihre Kompositionen als ‚weiblich’ beschrieben, sahen andere darin ‚männliche’ Ausdruckskraft. Unbestritten aber bleibt die künstlerische Bedeutung Dora Pejačevićs – als eine der herausragenden Komponistinnen ihrer Epoche. Zu hören sind Mezzosopran Annika Schlicht, Martina Filjak am Klavier und die Staatskapelle Weimar unter der Leitung von Ivan Repušić. Das Album enthält als Ersteinspielung die Nocturne, Op. 50/1 arrangiert für Orchester.