Nach dem international gefeierten ersten Teil von Alfredo Perls dreiteiliger Gesamteinspielung der Klaviermusik Ludwig van Beethovens umspannt die zweite Box den Zeitraum der Jahre 1801–1814. Schon früh sprach die Literatur hier von einer ‚mittleren’ oder ‚klassischen’ Schaffensphase: Dies verstellt jedoch den Blick auf ein kompositorisches Denken, das wesentlich durch den Rückgriff auf Früheres und den Vorgriff auf Kommendes sowie die Identifizierung Beethovens mit seinem Instrument geprägt ist. Das Klavier war für ihn Werkzeug einer Selbst- und Welterfahrung, um Intimstes und Persönlichstes auf der einen und kollektive geschichtlich-politische Umbrüche auf der anderen Seite zu verarbeiten. Von den 14 hier zu hörenden Sonaten zählen mindestens sechs zum Kernrepertoire jedes Pianisten, deren Popularität sich in den zumeist nicht von Beethoven stammenden Beinamen widerspiegelt: „Mondschein“ (op. 27/2), „Pastorale“ (op. 28), „Der Sturm“ (op. 31/2), „Waldstein“ (op. 53), „Appassionata“ (op. 57) und „Les Adieux“ (op. 81a). Unter den Variationen besitzen die „Eroica“-Variationen op. 35 und die c-Moll-Variationen WoO 80 seit langem eine besondere Attraktion für Pianisten und Publikum. Am berühmtesten wurde das 1810 komponierte Klavierstück „Für Elise“, das für Beethoven nicht mehr als eine Fingerübung gewesen sein mag, aber seine Fähigkeit demonstriert, mit einfachsten Motiven und Gesten eine musikalische Welt zu erschaffen. Dieses Spektrum von elementarer Ausdruckskraft und neuartiger Virtuosität macht klar, warum Beethovens Klavierwerke aus dieser Zeit zu einem Meilenstein in der Geschichte der Klaviermusik geworden sind. Der erfahrene Beethoven-Interpret Alfredo Perl spielt die Stücke pointiert und virtuos neu ein.