Als Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) 1933 sein Zweites Streichquartett komponierte, das im darauf folgenden Jahr in der österreichischen Hauptstadt uraufgeführt wurde, war Wien von schweren politischen Unruhen erfasst, die viele Künstler ins Exil trieben. In diesem Werk feierte Korngold die kurze Zeit später erlöschende Lebenskraft einer musikalischen Schule, deren Mitbegründer mehr als anderthalb Jahrhunderte zuvor Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) gewesen war und die Anton Webern (1883–1945) in die Moderne geführt hatte. Genau diese Traditionslinie stellen die Musiker des Quatuor Hermès in den Fokus eines düster-melancholischen Programms, in dem jedes Werk von einer faszinierenden Erzählkraft zeugt und als Ausdruck eines Abschieds verstanden werden kann.