Das Konzert für Laute RV 93 entstand während Vivaldis Aufenthalt in Prag 1729 – 30 und ist das bekannteste Beispiel innerhalb eines Repertoires, das heute fast völlig in Vergessenheit geraten ist. Im 18. Jahrhundert hingegen, war das Lautenkonzert im deutschsprachigen Raum – vor allem in den habsburgischen Ländern Österreich und Böhmen – außerordentlich beliebt.
Nach ihrer Referenzeinspielung der Gesamtwerks von Johann Sebastian Bach (2022) und einer repräsentativen Anthologie mit Werken von Silvius Leopold Weiss (2024) schließt Evangelina Mascardi ihre Lauten-Trilogie des 18. Jahrhunderts nun mit einem Blick auf ein grundlegendes, bislang aber weitgehend unbeachtetes Kapitel der Lautengeschichte ab.
Neben dem Vivaldi-Konzert, das Gitarristen schon seit den frühen 1960er Jahren zu einem seiner populärsten Stücke gemacht haben, präsentiert sie hier erstmals Einspielungen von vier echten, bislang praktisch unbekannten Perlen, etwa von Joachim Bernhard Hagen und Karl Ignaz Augustin Kohaut. Begleitet vom Orchestra Estrovagante unter der Leitung von Riccardo Doni, taucht Mascardi in die Welt des Rokoko ein, das den stilistischen Rahmen für die letzten großen virtuosen Glanzstücke eines Instruments mit reicher Tradition bildete und innerhalb weniger Jahre endgültig von der Bühne verschwand.