Das Ensemble Intercontemporain und sein musikalischer Leiter Pierre Bleuse setzen ihre Monografien über die großen Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik fort. Nach dem mehrfach ausgezeichneten Ligeti wird mit dem vorliegenden Album die Komponistin Unsuk Chin gefeiert. Die aus Korea stammende Künstlerin zog in den 1980er Jahren nach Deutschland. Ihre Musik besticht durch eine unmittelbare Sinnlichkeit, und die unerschöpflichen Transformationen ihrer instrumentalen Polyphonie erzeugen beispiellose Klangkonstellationen. Dieses Programm präsentiert ihr Stück Gougalon (2009/12), das in sechs Episoden mit bewusst ungewöhnlicher Instrumentierung die Erinnerung an die wandernden Amateurtheater ihres Heimatlandes wachruft. Sie präsentiert es als „imaginäre Volksmusik, die stilisiert und fragmentiert ist und nur auf den ersten Blick primitiv erscheint“. Chin betitelte ihr Stück für großes Ensemble aus dem Jahr 2013 mit "Graffiti". Alle Klangregister werden auf farbenfrohe, lebendige und abwechslungsreiche Weise ausgeschöpft. „Die musikalische Sprache von "Graffiti" oszilliert zwischen Rauheit und Raffinesse, Komplexität und Transparenz“, sagt die Komponistin. Ihr Doppelkonzert für Klavier und Schlagzeug rundet dieses Programm ab.