Mohammad Karimi, Meister des Gesangs aus dem Iran, schöpfte aus der authentischsten Quelle des Radif (des klassischen iranischen Repertoires), um einen intimen Ausdruck zu schaffen, der weit entfernt ist von jeglicher Künstlichkeit und in vollkommener Harmonie mit Mohammad Musavis Ney-Flöte stand – einem einfachen Schilfrohr mit immenser Kraft.
So beschreibt Karimi die Art und Weise, in der er zu singen gewählt hat: „Navâ besitzt eine ganz eigene Schönheit. Eine Tonart mit Süße, Feinheit und Subtilität, die den Zuhörer in einen Zustand der Meditation versetzt. Ihre Melodien gehören zu den traditionellsten und wurden mindestens dreihundert Jahre lang von Lehrer zu Schüler weitergegeben – bis hin zu meinen eigenen Lehrern, Davâmi und Hâjji Aqâ.“
Mohammad Musavis Rohrflöte (Ney) gleicht auch dem Federkiel des Kalligraphen. Es gibt tatsächlich eine Art, eine einzige Note in einem Gesang zu betonen, als wäre sie ein Pinselstrich, ein Fragment davon widerhallen zu lassen, ein Motiv zu ergreifen und es in einer Arabeske zu entfalten, seine Interpunktion zu organisieren – all das ruft die Kalligraphie und die Buchmalerei (Illumination) hervor.
An diesem Punkt bleiben zwei unaussprechliche Atemzüge: der eines Menschen und der einer Flöte. Doch wie Mowlânâ Rumi andeutet: Sind sie nicht ein und dasselbe Wesen?