Die Urkraft des gesprochenen Wortes trifft auf eindringliche, herzergreifende Musik: Die unbändige Kraft von Moor Mothers apokalyptischem Album ist viszeral. In dieser faszinierenden sinfonischen Fassung, die Ian Anderson für das Beethoven Orchester Bonn und das Streichquintett Wooden Elephant geschaffen hat, wird das leidenschaftliche Werk der radikalen amerikanischen Dichterin zu einem grandiosen Gesamtkunstwerk, das die Seele berührt. Diese Weltpremiere lässt sich keinem Genre zuordnen. Es ist Musik mit einer starken Botschaft, die bewegt und überwältigt. Es geht um Rassismus, um strukturelle und institutionalisierte Gewalt, ausgedrückt in erschütternden Bildern: ‚Es ist so weich auf der Haut, in den Ländern und Baumwollfeldern der Demokratie. […] Meine Mama, meine Großmama, meine Ur-Ur-Urgroßmama haben so viel Baumwolle gepflückt, dass sie die Welt gerettet haben, ganz allein.‘ Die von der Kritik gefeierte Künstlerin Moor Mother wird für ihre zum Nachdenken anregenden Texte und ihren furchtlosen Umgang mit Klangkunst gelobt, in der sie mit grenzüberschreitenden Klängen experimentiert. Die New York Times bezeichnete sie als Teil einer „neuen Generation visionärer schwarzer Geschichtenerzähler“. Sie selbst beschreibt ihre Absicht als ‚Versuch, dem Publikum eine andere Art des Umgangs mit der Wahrheit näherzubringen‘. „The Myth Hold Weight“ ist das Gravitationszentrum dieses dramaturgisch hervorragend konzipierten Werks. Trotz aller berechtigten Wut, Trotz und Rebellion bietet es den Unterdrückten einen Ausweg aus der Spirale der Gewalt und Hoffnungslosigkeit hin zu einem Ort des Friedens. Auf diesen Satz folgt in „Sonic Black Holes“ ein bewusstseinserweiternder Klangstrudel, in dem das einfühlsame ‚Ich kann dich fühlen‘ widerhallt.