Toscha Seidel war – zusammen mit Jascha Heifetz – einer der Starschüler des legendären Musikpädagogen Leopold Auer in St. Petersburg. Von Auer selbst als ‚der Engel’ (Heifetz) und ‚der Teufel’ (Seidel) bezeichnet, traten diese beiden Superstar-Geigenvirtuosen häufig gemeinsam im ‚Doppelkonzert’ von Johann Sebastian Bach auf. Nach seiner Emigration nach New York im Zuge der Russischen Revolution gab Toscha Seidel 1918 sein amerikanisches Debüt in der Carnegie Hall. Unmittelbar nach diesem triumphalen Erfolg erhielt der jugendliche Seidel einen Exklusivvertrag bei der Columbia Record Company, um Heifetz beim Label Victor Konkurrenz zu machen. Obwohl Seidel von der New York Times als ‚transzendent’ und von der New York Tribune als ‚unvergesslich’ beschrieben wurde, gelang es ihm nie, den Ruhm seiner Mitstudenten bei Auer zu erreichen. Der angesehene Geiger und Pädagoge Carl Flesch schrieb in seinen Memoiren: ‚Die Klangqualität [Seidels] ist eine der schönsten, die ich in meiner Karriere gehört habe. Auch seine Technik ist hervorragend, weshalb ich es als Ungerechtigkeit des Schicksals betrachte, dass er nicht als der Dritte im Dreigestirn mit Heifetz und Elman angesehen wird.‘ Dieses Album enthält Toscha Seidels erste Aufnahmen für das amerikanische Label Columbia, darunter so bekannte Favoriten wie Johannes Brahms' „Erster ungarischer Tanz“, Antonín Dvořáks „Humoreske“ und Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“. Zwar wurden zu der Zeit, als Seidel seine ersten Platten aufnahm, noch keine vollständigen Konzerte aufgenommen, aber er spielt auf diesem Album die gefühlvolle Canzonetta aus Pjotr Tschaikowskys Violinkonzert und die Romanze aus Henryk Wieniawskis beliebtem zweiten Konzert.