Musikdirektor Thomas Søndergård dirigiert das Royal Scottish National Orchestra in einem Programm, das drei führende polnische Komponisten des 20. Jahrhunderts vorstellt: Karol Szymanowski, Grażyna Bacewicz und Witold Lutosławski. Die polnische Musik erlebte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Blütezeit, doch das Land durchlief unvorstellbare politische Turbulenzen und musste die Besetzung durch die Nazis und die Kommunisten ertragen. Trotzdem formten diese drei Komponisten die musikalische Identität Polens neu, jeder mit seiner eigenen Sprache. Bacewicz bewegte sich von ihrem frühen neoklassizistischen Stil hin zu etwas Komplexerem, Kühnem und Farbigem und schrieb 1943 im besetzten Polen ihre später berühmt gewordene Ouvertüre für Orchester. In "King Roger" (1926), hier in einem neuen Arrangement von Ian Farrington, verschmolz Szymanowski die Spätromantik mit mediterranen und polnischen Einflüssen. Lutosławski trieb die polnische Musik über die Romantik hinaus, indem er Volkstraditionen und moderne Techniken einbezog. Seine Symphonie Nr. 3 (1983) wurde zu einem kraftvollen Symbol der Freiheit in Polen und markierte einen Schlüsselmoment in seinem späten symphonischen Stil.