Wenn Filmkomponisten sich der klassischen Musik zuwenden, legen sie eher eine Zwangsjacke ab, als dass sie ein Sicherheitsnetz verlieren. Diese Veröffentlichung mit dem Titel „Beyond Vertigo“ präsentiert Kammermusik von Filmkomponisten, die man so einmal etwas persönlicher erleben kann. In seinem Werk „Metamorfosi di Violetta“ analysiert Ennio Morricone mit filmischer Scharfsinnigkeit den Niedergang der Heldin aus „La Traviata“. Tigran Mansurians „Agnus Dei“ oszilliert zwischen Gesang und Dissonanz, um unbewältigte Trauer zu darzustellen. John Coriglianos „Soliloquy“ wendet sich noch weiter nach innen und barbeitet privaten Verlust. Bernard Herrmann strebte nie nach klassischer Abstraktion, doch Alfred Hitchcocks musikalisches Alter Ego – der Komponist der Filmmusik zu „Psycho” und „Vertigo” – liefert das Glanzstück dieses Programms: „Souvenir du voyage”, ein nostalgisches Juwel mit tiefer filmischer Sensibilität. Alle diese Stücke werden vom Roeland Hendrikx Ensemble aufgeführt, das 2015 gegründet wurde. Es konzentriert sich auf das Repertoire für Klarinette, Klavier und Streicher, aber in seiner größten Besetzung stehen sechs Musiker auf der Bühne, wie es hier der Fall ist: Nicolas Dupont, Violine, Noémi Tiercet, Violine, Sander Geerts, Bratsche, Sébastien Walnier, Cello, Liebrecht Vanbeckevoort, Klavier und Roeland Hendrikx, Klarinette.