Giacomo Puccini gilt als einer der größten Opernkomponisten aller Zeiten, und seine frühen Werke – bevor ihn „Manon Lescaut” zu internationalem Ruhm katapultierte – bieten einen faszinierenden Einblick in seine Entwicklung als Komponist. John Wilson und die Sinfonia of London erkunden dieses Repertoire mit ihrem charakteristischen Stil und Engagement und nehmen uns mit auf eine Reise durch studentische Kompositionen und Orchesterauszüge aus seinen frühesten Opern. Von 1880 bis 1883 studierte er bei Amilcare Ponchielli am Mailänder Konservatorium und schuf das „Preludio sinfonico“ (frei nach Richard Wagners Vorspiel zu „Lohengrin”), das Scherzo, Trio und Adagetto sowie das „Capriccio sinfonico“, sein Abschlussstück, das bekanntlich die Eröffnung von „La bohème” um ein Jahrzehnt vorwegnimmt. Die Einakter-Oper „Le villi” wurde für einen Wettbewerb des Verlegers Sonzogno komponiert (Puccini gewann nicht), während Themen aus den gleichzeitig erarbeiteten „Tre minuetti” und „Crisantemi” (beide für Streichquartett) später in „Manon Lescaut” wiederverwendet wurden. Giuseppe Verdis Verleger Ricordi kaufte die Rechte an „Le villi“ und gab gleichzeitig ein neues Werk in Auftrag: „Edgar“, das vor allem aufgrund seiner absurden Handlung wohl Puccinis einziger Misserfolg ist, obwohl es einige ausgereifte Musikstücke enthält, die den berühmteren Partituren in nichts nachstehen.