Der Komponist Raymond Lustig war seit vielen Jahren von Dr. Semmelweis fasziniert und inspiriert. Es handelt sich dabei um den ungarischen Arzt, der das häufige Auftreten von Kindbettfieber auf mangelnde Hygiene zurückführte, die medizinische Fachwelt jedoch nicht reformieren konnte und schließlich einsam in einer Anstalt starb. Im Jahr 2007 hatte Lustig zum ersten Mal die Idee für ein Bühnenwerk über die Geschichte des Arztes. Damals war er noch Musikstudent, hatte aber bereits mehrere Jahre in der biomedizinischen Forschung gearbeitet. Nach vielen Iterationen wurde „Semmelweis“ 2018 in Zusammenarbeit mit dem Autor Matthew Doherty und dem ungarischen Regisseur Martin Boross vollständig inszeniert und vom Budapester Operettentheater und dem Bartók Plusz Opera Festival uraufgeführt. Der hier aufgenommene Liederzyklus entstammt dieser Produktion. ‚Unser Ziel war es, ein echtes Studioalbum zu machen, und nicht nur eine Aufnahme des Bühnenwerks’, sagt Lustig. ‘Ich wusste, dass ich mit Charlotte Mundy zusammenarbeiten wollte, deren Stimme für mich immer die ideale für dieses Werk war. Wir haben dann beschlossen, dass wir nicht versuchen, einen Chor aus passenden Frauenstimmen zu bilden, sondern nur Charlottes Stimme verwenden, die sich selbst vervielfacht und im Stereofeld ausbreitet, eine einzige Stimme, die alles umgibt und überwältigt. Diese Frauenstimmen stellen oft einen Chor von Geistern der Mütter dar, die er nicht retten konnte oder ‚Muttergeister‘, wie wir sie nennen, die Dr. Semmelweis heimsuchen.’ Die gesamte Handlung von „Semmelweis“ kann als eine Reflexion – ein Fiebertraum oder Todestraum – der inneren Psyche von Ignaz Semmelweis am Ende seines Lebens gesehen werden. Dr. Semmelweis erlebt Ereignisse aus seinem Leben noch einmal, vielleicht in veränderter Reihenfolge, verzerrt oder unzuverlässig, wie durch die Linse eines aufgewühlten Geistes. Neben Charlotte Mundy spielen auch das String Quartett The Rhythm Method, die Violinistin Leah Asher, die Cellistin Meaghan Burke, Kontrabassist Ranjit Prasad, Bassklarinnetist Chrystof Knoche und Ray Lustig selbt.